Büsumer Krabbenfischkutter

Ein Erfolgsmodell über Jahrzehnte


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2.12.2020
Baujahr: seit 1896
Baunummer: unbekannt

Krabbenfischerei gibt es an der Nordseeküste schon seit Jahrhunderten. Sie diente bis Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem der Eigenversorgung der Küstenbewohner*innen. Damals waren Krabben noch keine Delikatesse, sondern galten als das Essen der armen Leute. Die Krabben wurden traditionell im bauchtiefen Wasser nur von Hand und mit sehr großen Keschern gefangen. Im Jahre 1865 soll sich ein Fischer aus Tönningen erstmals mit einem Boot und Schleppnetz auf Krabbenfang begeben haben.

Nachdem sich in Tönningen auf diese Weise die Krabbenfischerei etabliert hatte, begannen auch Büsumer Fischer ihre Fahrzeuge für den Krabbenfang umzurüsten. Trotz der Umrüstungen waren die Boote aufgrund ihrer Größe und Ausstattung nicht optimal für den Krabbenfang geeignet. Mit Hilfe des Deutschen Seefischerei-Vereins konstruierte Gustav Junge einen Kutter, der den Anforderungen der Krabbenfischerei gerecht werden sollte. Die von Junge gebauten Krabbenkutter hatten hinten ein überhängendes Heck und vorne eine gerade Form, einen senkrechten Kuttersteven. Junge lieferte die Kutter wahlweise mit oder ohne Bünn. Das war ein in das Schiff integrierter bewässerter Aufbewahrungskasten für lebende Meerestiere.

Der erste überlieferte Bau eines solchen Krabbenkutters erfolgte 1899 im Auftrag des Büsumer Fischers Claus Rehm. Wie hinten auf dem Modell vermerkt ist, hatte Junge den Büsumer Krabbenfischkutter offenbar aber bereits im Jahr 1896 konstruiert. In den folgenden Jahren baute Junge etwa 80 Kutter dieses Typs für die deutsche Nordseeküste. Sie waren von Holland bis Dänemark unterwegs. Die Kutter segelten sehr gut und konnten auf See oder auch im Watt eingesetzt werden. Die späteren Bauten wurden zusätzlich mit Rohöl-Motoren ausgestattet. Die von Junge gebauten Krabbenfischkutter waren ein Erfolgsmodell. Noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerten die an der deutschen Nordseeküste gebauten Krabbenkutter an die einst von Junge entworfenen Kutter, mit denen er maßgeblich die Krabbenfischerei professionalisiert hatte.

Literatur:

Herbert Karting: Schiffe aus Wewelsfleth Bd. III: Die Fischerei- und Sonderfahrzeuge der Junge-Werft, Itzehoe 1985, S. 115-116.

Gert Uwe Detlefsen: Krabben. Garnelen – Granate, Husum 1984, S. 18-22 und S. 32-41.

Gerhard Timmermann: Die nordeuropäischen Seefischereifahrzeuge, ihre Entwicklung und ihre Typen (Handbuch der Seefischerei Nordeuropas, Bd. 11; Nachtragsband, Heft 4), Stuttgart 1962, S. 41-43.

Halbmodelle der Junge-Werft aus Wewelsfleth
Name:
Büsumer Krabbenfischkutter
Baujahr:
seit 1896

3D-Modell


Die hier verfügbaren 3D-Modelle stehen unter der CC BY-NC-SA-Lizenz

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